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Jürgen Müller und Andreas Münch - Grußwort PDF  | Drucken |  E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Sonntag, den 02. Oktober 2011 um 04:21 Uhr
„Sächsisches Fleischerhandwerk zwischen Internationalität und Regionalität“  - OM Jürgen Müller und  OM Andreas Münch: Grußwort zum DFV -Verbandstag 2011

Radebeul (Redaktion/30.9.2011) - Verehrte Kolleginnen und Kollegen, wir sind stolz, freuen uns und fühlen uns geehrt, zum zweiten Mal nach 1997 in unserer neueren Innungsgeschichte einen deutschen Verbandstag und damit  Kollegen aus ganz Deutschland  bei uns in der Region willkommen heißen  zu dürfen.

Diesmal gemeinsam  als die Obermeister zweier Innungen, der Innung Dresden und der Innung Meißen. Seien Sie also herzlich hier willkommen in der Wein- und Gartenstadt Radebeul, im Weichbild unserer beiden Innungen.

Stand der Verbandstag  1997 noch eher im Zeichen der Regionalität eines allmählich wieder erstarkenden Handwerks,  so sind es in diesem Jahr sowohl die Regionalität als auch ein  Stück Internationalität eines nunmehr  starken Fleischerhandwerks, mit denen wir uns heute  präsentieren können.

Diese neue handwerkliche Bandbreite im Ernährungshandwerk gilt fast gleichmäßig für alle Metropolen in Sachsen, ganz besonders auch  für die Gegend unserer  Innungen von Dresden Meißen.

1990 - da musste man sich unter stark veränderten äußeren Bedingungen zunächst  fast wie neu seines Betriebes, seines Berufes und einer ganzen Branche erinnern. Was erhalten  geblieben war, das waren unser Wissen,  die Kundschaft,  die Verankerung in der Region und die Besinnung auf unser Handwerk. Damit hatte man etwas in der Hand, mit dem man Handwerken konnte.

Und das haben wir dann begonnen. Mit handwerklichem Können, treuer Kundschaft und dem Bezug zur Region hatte man einen Neu- Anfang und viele auch einen guten Start.

Zwar hatten etliche der vor 20 Jahren neu oder wiedergegründeten Innungen bereits vor oder in die Wendezeit herum Kontakt mit West-Kollegen, mit Fleischern, Betrieben und auch Innungen  aufgenommen. Wir  standen vor einem Füllhorn neuer Geräte, Maschinen, Ausstattung und Rohstoffen, vor allem aber einem Berg neuer Anforderungen, Vorschriften und veränderten Organisationsstrukturen im Handwerk.

Das Verstehen von Marktwirtschaft - Was uns aber am meisten abforderte, war das Verstehen von Marktwirtschaft und das Bestehen in ihr.

Doch  Handwerk ist erfinderisch und Handwerker sind lernfähig. Auch wenn für unsere  Innungen, so natürlich auch in Dresden und Meißen  -  Riesa, Meißen, Großenhain –  nach 1990 ein anderes , neues Kapitel  in fast allen Bereichen von Beruf, Betrieb und Branche begann, hatten wir schon vorher und dann nochmals vorher bereits unsere eigene Geschichte.

Die Dresdner Innung reicht ausweislich quellensicherer Dokumenttationen  in das Jahr 1425 zurück, die Meißner Innung feierte unter großer Anteilnahme von Kollegen und  Öffentlichkeit vor wenigen Jahren ihr 750 jähriges Bestehen.  Insbesondere sind wir als Innungen beide stolz darauf, den Mitgliedsbestand unserer  Betriebe seit 1990 stabil  gehalten, wenn nicht gar ausgeweitet zu haben.

Aber die Zeit nach 1990 war für das Handwerk dann doch noch eine etwas andere als alle Zeiten zuvor. Anders als in den vorangegangenen Perioden kamen die neuen Anforderungen ziemlich abrupt und auch mit sehr nachdrücklichem  Forderungscharakter auf alle Kollegen im Fleischerhandwerk zu.

Die Auswirkungen  waren 1997 am Veranstaltungsort Dresden zum Verbandstag noch deutlich zu merken. Während wir 1997 zum Beispiel die Frauenkirche nur mit unseren fleischerhandwerklichen Mitteln, zwar maßstabsgetreu aber dennoch nur als Modell präsentieren konnten, konnten etliche Kollegen dieser Tage sie jetzt als gänzlich restauriertes Bauwerk und lebendiges Wahrzeichen der Metropole Dresden wieder in ihrer ursprünglichen Funktion besuchen und sogar Kunstgenuss darin erleben.

So haben sich Stück für Stück und Stein auf Stein unsere Regionen allmählich, auch mit einem Flair internationaler Attraktionen , bei Bevölkerung, bei Besuchern und auch bei den ortsansässigen Betrieben etabliert und das Fleischerhandwerk hat darin als mittelständische Wirtschaftsgröße seinen ebenfalls festen Platz eingenommen.

Anschluss an höchste Maßstäbe fleischerhandwerklicher Arbeit - Inzwischen haben wir ganz sicher den bundesweiten Anschluss an die höchsten Maßstäbe fleischerhandwerklicher Arbeit gefunden und die bis dato an uns gestellten Herausforderungen gut erfüllt.

Wir haben als Fleischerhandwerk, wie dies in allen anderen deutschen Landen ebenso festzustellen ist, insbesondere eine Vielfalt  an Originalität, Qualität und Professionalität zu bieten und können so unsere Ursprünglichkeit, Eigenständigkeit und Eigentümlichkeit hervorheben.

Wir haben Unternehmen mit erkennbarem Profil, klaren Geschäftsmodellen, mit unvergleichlichen Stärken als z. T. schon traditionell inhabergeführte Familienbetriebe. Wir bieten handwerkliche Spitzenqualität bei Produkten und Service, bei produkttypischen Rezepturen und betriebstypischen Fertigungsvorgängen. Wir haben regionaltypische Produkte, individuelle Ideen und neuartige Marketing- und Vertriebswegemischungen.

Und das Ganze als glaubwürdiger, verlässlicher, echter Partner  für Kunden, Käufer und Konsumenten durch ernstzunehmende Präsentation des Fleischerhandwerks für jeden Einzelnen  und  die ganze Bevölkerung.

Heute zeigt sich auch in unseren Regionen das traditionelle Fleischerhandwerk in seiner hochmodernen marktgerechten Form. Im Laufe der neueren Geschichte unsrer Innungen haben sich Ziele, Zwecke und Schwerpunkte unsrer Arbeit stets zeitgemäß weiterentwickelt und gewiss auch Schwerpunkte verlagert. Anforderungen und Aufgaben einer Innung waren in den 1990er Jahren zu Zeiten der Neustrukturierung des Fleischerhandwerks andere als in den Zeiträumen der weiteren Konsolidierung in den Jahren um die Jahrtausendwende bis hin zum vollständigen Verständnis auch unserer Branche in jüngster Zeit als umfassender Dienstleister am Kunden für genussvolle zwar, dennoch ausgewogene Ernährung.

Modernes Fleischerhandwerk - das sind immer auch aktuelle Bezüge zu Technologien, Ernährungswissenschaften und Lebensmitteltrends, ist vor allem aber ein modernes Handwerksverständnis als beiderseitig vorteilhaftes Zusammenwirken von Produzenten und Konsumenten in Sachen Frische, Qualität, Sicherheit und lebendiger Esskultur.

Betriebe als moderne Fachhandels-Dienstleister - Gerade hier spielen unsere Innungen mit ihren inneren und äußeren Aktivitäten für die Profilierung unserer Betriebe als modernem, beratungsengagiertem Fachhandels-Dienstleister in informationsgesteuerten, wissensorganisierten, dennoch handwerklichen Produktionsbetrieben, eine ganz besondere Rolle als Motor und Moderator im Prozess gegenseitigen Verständnisses  von Fleischerhandwerk, Fachgeschäft und Verbraucher. Und das  gerade auch in regionaler Bindung an den ländlichen wie städtischen Raum, aber auch in ihrem Wert für den vielfältigen Fremdenverkehr und den internationalen Tourismus.

Musterbeispiel für Dresden ist das schon länger ziemlich erfolgreiche gemeinsame Auftreten zusammen mit den anderen Ernährungsgewerken, vor allem bei besonderen Veranstaltungen wie Hausmessen oder Jahreszeitenmärkten und zu besonderen Gelegenheiten wie Wurst- und Brotwettbewerben oder Produktverkostungen auf Publikums wirksame Art. Paradebeispiel für die Meißner Gegend sind die vielen hausgemachten Spezialitäten im Sortiment und die Fülle regionaler Produkte im einzelnen Angebot. Eine  ganz besonders geglückte Verbindung ist das Fleischerhandwerk im Elbland mit heimischen Wein der Elbtalhänge und dem breitgefächerten Tourismus in der erschlossenen Heimatregion eingegangen.

Und eines haben wir alle zusammen, eine nachweisbar fast 450 jährige Geschichte des "Sächsischen Knackers" vom Urknacker als geschmacklich besonderem Reiseproviant und Zierde der Tafel der Aristokratie über den Wildknacker, zu Zeiten da das Wild der Wälder häufiger war als das Borstenvieh auf den Höfen bis hin zur heutigen Provenienz "Sächsischer Knacker" in seinen unzähligen regionalen Varianten.

Gerade in der ganzen Bandbreite zwischen Regionalität, aber auch seinem gehörigen Anteil an Internationalität zeigt sich das Fleischerhandwerk in seiner ganzen Bedeutung von wirklicher Nähe und Nachbarschaft, Natürlichkeit und Nachhaltigkeit im noch immer frischen und auch qualitativ weiterhin hochwertigen Verhältnis von Produzenten und Konsumenten. Und bei richtiger Betrachtungsweise - und aus Sicht unserer Innungen gibt es nur diese eine - auch in seiner ganzen Bedeutung für Sachsen.

Und diesen Spannungsbogen, den das Fleischerhandwerk heute zwischen Regionalität  und Internationalität abdeckt,  wollen  wir ganz besonders zum Abschlussbuffet der Jahresveranstaltung erkennbar werden lassen.

Wir wünschen uns allen einen erfolgreichen 121. Deutschen Verbandstag in Radebeul mit einem leichten,  aber nachhaltigen Hauch von eben dieser Regionalität und Internationalität in ganz Sachsen und insbesondere dem Bereich der Innungen Dresden und Meißen und vielen erprobten und innovativen Ideen, um die Weichen für unser ehrbares Handwerk auf freie Fahrt in die Zukunft stellen zu können.

Jürgen Müller                                                Andreas Münch
Obermeister der Innung Dresden           Obermeister der Innung Meißen
 

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